
SAISONALES ABKALBEN
Der Traum eines jeden Milchbauern: Am Sonntag auszuschlafen, ohne das schlechte Gefühl, dass den Kühen der Euter drückt. Oder mal zwei Wochen in den Urlaub zu fahren, ohne einen Ersatzmelker organisieren und bezahlen zu müssen!
Wir haben uns den Traum von den Melkferien erfüllt: Wir haben im Winter 2006/2007 sechs Wochen nicht gemolken und die gewonnene Zeit in den Hausbau investiert.
Wie das geht? Eigentlich ganz einfach....
Eine Kuh ist neun Monate trächtig, bevor sie ihr Kalb auf die Welt bringt. Die Milchmenge und die Milchqualität nehmen gegen Ende der Trächtigkeit stark ab. Die letzten 6 8 Wochen der Tragezeit wird sie nicht mehr gemolken, sie steht "trocken". In dieser Zeit braucht sie ihre ganze Energie, um ihr Kalb zu versorgen.
Idealerweise wird jede gesunde Kuh einmal im Monat "stierig", d.h. sie schmeisst sich an den Stier ran. Wenn man nun über den Zeitraum von zwei Monaten (und nur dann) dem Stier die Möglichkeit gibt, alle Mädels zu ...., werden folglich alle innerhalb dieser zwei Monate trächtig. Und alle werden nach etwa sieben Monaten "trocken gestellt".
Was passiert dann? Der Bauer muss nicht zum Melken aufstehen, sondern kann sich von seiner Frau (die um 4.30 Uhr in der Früh den Brotteig angesetzt hat) um halb elf das Frühstück ans Bett bringen lassen...
Schafft man es, diese Kalbezeit auf das Frühjahr zu terminieren, so bewegt man sich ganz im Rhythmus der Natur: Wenn die Kühe im Winter trocken stehen, muss man sie mit dem Futter eher knapp halten, sonst werden sie fett was das Kalben erschwert. Bringen sie im Frühjahr ihre Kälbchen zur Welt, brauchen sie viel Kraft. Auf der Weide wächst nun das beste Futter: Junges, saftiges Gras.
Der Nachwuchs kann mit ins Freie, wo der Erregerdruck (Bakterien, Viren) geringer ist als im Stall. Die Gefahr, dass die noch empfindlichen Jungtiere krank werden, ist deutlich vermindert. Übrigens: Die Frühjahrssonne tut allen Seelen gut!
Na, ja, um ehrlich zu sein, ganz so einfach ist das mit den Melkerferien doch nicht. Wir mussten viel beobachten: Wie steht's um die Libido und körperliche Fitness unseres Stieres? Sind alle Kühe guter Hoffnung (denn wo kein Kalb, da keine Milch...)? Wie entwickelt sich das Bankkonto, so ganz ohne Milchgeld?
Aber wie gesagt, dieses Jahr, dem großen "Hausbaujahr", hat es geklappt und uns enorm entlastet.
Im Frühjahr mussten wir dann ganz schön ran: 50 Geburten, bei denen man immer bangt, ob alles gut geht. Vor allem den Erstgebärenden, den Kalbinnen, wollte geholfen werden: die Süßen wissen noch gar nicht, wie ihnen geschieht. Auch einigen Kälbern mussten wir unter die Hufe greifen: Nicht immer kommen sie mit dem Euter ihrer Mutter zurecht oder ihr Saugreflex ist ungenügend ausgebildet.
50 Kälber, was für ein Durcheinander und Gewusel! Wer gehört eigentlich zu wem?? Für Sie natürlich eine ideale Zeit, um einmal den Hof Gasswies zu besuchen und kleine "Buzzele" zu gucken!