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MUTTERGEBUNDENE KÄLBERAUFZUCHT

Ein "wunder Punkt" der Milchviehhaltung ist das übliche, sehr schnelle Trennen von Mutterkuh und Kalb nach der Geburt. Die Kuh wird gemolken, das Kalb mit Hilfe von Nuckelflasche, Tränkeeimer oder Tränkeautomat gefüttert. Wie unschwer vorzustellen, ist diese Trennung (im Schnitt nach 3,5 Tagen) für alle Beteiligten sehr unerfreulich. Es wird vermutet, dass der fehlende Kontakt zur Mutter mit ursächlich für Verhaltensanomalien bei Kälbern ist (z.B. gegenseitiges Besaugen).

Wir realisieren seit 2005 das Prinzip der "Muttergebundenen Kälberaufzucht".
Bei der Einführung haben uns die Universität Hohenheim, Institut für Agrartechnik und das Institut für ökologischen Landbau, Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft, begleitet.

Seither bleiben auf dem Hof Gasswies die Kälber nach der Geburt über zwei Monate bei ihren Müttern und werden von diesen gesäugt. Gemolken werde die Kühe trotzdem, sie geben allerdings deutlich weniger Milch.

       Die Kälber haben im Stall Rückzugsbereiche, die sie vor allem in den ersten vierzehn Lebenstagen verstärkt aufsuchen. Sie sind dann noch "Nestlinge", verstecken sich im Stroh und begleiten ihre Mütter nicht auf die Weide. Diese kommen von Zeit zu Zeit heim in den Stall und schauen nach dem Rechten. Oft wird das Heimkommen schon mit lautem Muhen angekündigt – oder die Kälber blöken nach ihren Müttern.

(Den Rechbergern an dieser Stelle ein herzliches "Dankeschön" für ihr Verständnis. Denn dieses Muhen und Blöken kann beinahe die Lautstärke eines startenden Düsenjets annehmen. Das ist dann leider auch im Ort zu hören.)

Ist das Kalb etwas älter, geht es gerne mit hinaus auf die Weide. Es beginnt die Mutter nachzuahmen und Gras zu fressen. Häufig sind die Kälber in Gruppen zusammen, bilden "Banden" und spielen miteinander. Wie halt Tierkinder so sind. Wir glauben, dass sie eine wirklich gute Zeit haben!

Nach zwei Monaten, wenn die Kälber sich so langsam von der Milch entwöhnen sollen, werden die Kälber von ihren Müttern getrennt und mehrere Kälber einer Amme zugeteilt. Dies mindert den Trennungsschmerz seitens des Kalbes erheblich. Den Müttern versuchen wir die Trennung mit homöopathischen Mitteln etwas leichter zu machen. Bei den Ammen verbleiben die Kälber mindestens noch einen Monat.

Spannende Erkenntnisse haben wir in den vergangenen drei Jahren gewonnen: Kälber veranstalten gerne Wettrennen, es gibt bei den Rindviechern "Kälberkrippen" und "Kälbergärten" – und Kälber sind genauso folgsam wie Menschenkinder...

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